Ein Cupcake Kurs bei einem französischen Patissier in einem deutschen Kloster-Hotel in der Pfalz. Klingt spannend. Und was ich im Vorfeld über Olivier Fabing gelesen habe, hat mich mit viel Ehrfurcht erfüllt, aber auch mit ein bisschen Bammel, wie streng er wohl sein würde.
Aber meine Befürchtungen erfüllten sich nicht und meine Erwartungen wurden übertroffen.
Olivier Fabing begrüßt uns mit einem Gläschen Crémant in der großartigen Landhausküche im „Lösch für Freunde“. Mit seinem Charme und seinem Witz bricht er gleich das Eis zwischen den 12 Backbegeisterten, die sich eingefunden haben, um heute vom Meisterpatissier alles über die Herstellung von verführerisch guten Cupcakes zu erfahren.
Nach der Begrüßung heißt es Schürze an, Stoffserviette an den Bund und los geht’s. Alle Rezepte des Tages werden uns gleich zu Beginn in einer schönen Mappe ausgehändigt, und etliche leere Blätter dazu, für die Notizen und davon kann man sich im Laufe des Tages wirklich viele machen.
Mit Zutaten abwiegen halten wir uns nicht lange auf, wie meint Olivier: wir wollen ja backen lernen und nicht wiegen.
Wobei, wiegen lernen müssen wir auch. Denn einfach so „Pi mal Daumen“ ein paar Gramm Mehl oder Zucker mehr in den Teig, das ist ein absolutes No GO. Und da versteht unser sonst so gut gelaunter Gastgeber gar keinen Spaß. Von der Art her ein charmanter, mitreißender Franzose, witzig und unterhaltsam, ist er Profi bis in die verstrubbelten Haarspitzen.
„Ich rechne nicht in Gramm, ich rechne in Prozent“. 5 Gramm mehr bei einer Einwaage von 40 Gramm, dem „normalen“ Menschen mag das nicht sehr viel vorkommen. Aber es sind eben nicht 5 Gramm sondern 12 %. Und das kann den Unterschied zwischen einem Gebäckstück, das auf der Zunge zergeht und einem Reinfall ausmachen.
OK erste Lektion des Tages gelernt, es sollten noch viele weitere folgen.
Im Laufe des Tages lernen wir wie man mit Schokolade umgeht und sie im Wasserbad richtig schmelzen lässt (mit gaaaaaaaaaaaanz viel Zeit) und um Himmels Willen das Gefäß zum Schmelzen muss über dem Dampf sein und nicht im kochenden Wasser.
Wir lernen, wie lange man welche Massen aufschlägt. Wann welche Zutat untergemischt wird. Auch dass Teige, die in meinen Augen geronnen und nicht mehr brauchbar aussehen, durchaus noch zu retten sind. Wann man von Hand rührt und wann mit Maschine, wann Ober- und Unterhitze wann Umluft, wie lange die Cupcakecreme vor dem Dressieren kalt gestellt werden soll und was man mit ausgekratzten Vanilleschoten noch so anstellen kann.
Und nachdem wir alle Rezepte aus unserem Heft gebacken haben, gibt es als Zugabe noch ein paar Cakepops.
Am Ende sind alle vollkommen erschöpft aber glücklich. Alle Cupcakes und Cakepops sind in großen Boxen verstaut.
Zum guten Schluss bekommen wir unsere Kochschürze geschenkt, denn sie enthält ja das komplette Wissen des Tages, wie Olivier so nett meint. Und natürlich gibt es auch eine Urkunde :-).
Aber Moment, das ist noch gar nicht das Ende. Obwohl Olivier den ganzen Tag härter gearbeitet hat als wir, bekommen wir noch eine exklusive Führung durch das Haus: „Lösch für Freunde“. Denn er hat den Chefpatissier Posten im Kloster Hornbach für die Leitung dieses Schmuckstücks getauscht.
Aber darüber berichte ich ein anderes Mal. War das Kloster Hornbach schon die Wucht, so ist das „Lösch für Freunde“ vom Konzept her der absolute Oberhammer. Es wurde 2012 von der Geo-Saison um „Besten Newcomer Hotel“ gewählt und 2013 unter die schönsten Landhotels in Europa.
Na ja ein Fotohäppchen kann ich ja vielleicht servieren:
Vielleicht meldet ihr euch ja mal für einen Kurs bei Olivier Fabing an. So viel Spaß beim Backen lernen hatte ich bisher noch nie. Ich werde sicher Wiederholungstäter äh –schüler.
Ach ja, ein tolles Buch hat er auch geschrieben, es heißt „Göttliche Verführung“ :-).
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