Nachdem wir in den letzten Jahren vorwiegend mit dem Auto im Südosten (Serbien, Albanien, Kosovo, Kroatien) und im Osten Europas (Ukraine (Westkarpaten), Weißrussland) unterwegs waren, haben wir uns an Ostern einen lange gehegten (Reise)Traum erfüllt: JAPAN 🙂

Wir hatten das unvorstellbare Glück, dass die Kirschblüte bei unserer Ankunft in Kyoto noch voll im Gange war und die verschiedenen Sorten zur gleichen Zeit blühten, so erzählten uns die Einheimischen. Ein ganz besonderes Hanami-Erlebnis.

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Wenn eine Backschwester unterwegs ist, kann sie natürlich nicht umhin, die Augen in alle Richtungen offenzuhalten nach Spezialitäten des jeweiligen Landes oder der Region. Und eins kann ich euch sagen: “Das Land der aufgehenden Sonne ist ein Eldorado für Gebackenes und Süßes!”

In den Foodabteilungen der Supermärkte galt es, die ganze Welt feiner Backwaren und Süßwaren zu entdecken.  Allesamt wunderschön präsentiert. Wir wussten gar nicht, wohin wir zuerst schauen sollten. Was mir besonders aufgefallen ist, sind die Bereiche mit französischen Backwaren wie Baguettes in allen Größen, Croissants, Petits pains au chocolat, Eclairs (das Stück zu 7 €!), oft auf Regalen in Hüfthöhe, ohne weitere Abdeckung, das wäre in Deutschland so wohl nicht möglich. Die Käufer hielten Tabletts in ihren Händen und legten sich mit Hilfe von Gebäckzangen die ausgewählten Backwaren darauf.

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Dass Japan das Baumkuchen-Land schlechthin ist, das können wir jetzt definitiv nachvollziehen. Witzig fanden wir es, neben den japanischen Produktnamen, die wir rein gar nicht entziffern konnten, das deutsche Wort “Baumkuchen” zu lesen. Die Erklärung für die Entstehung der Baumkuchen-Tradition könnt ihr zum Beispiel bei brandeins nachlesen. Die Kuchenringe gibt es in vielen Geschmacksrichtungen, wie Karamell und natürlich auch – wie sollte es anders sein – mit Matcha.

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In Tokyo soll es zwei der zehn besten Pâtisserien der Welt geben, wo ich diese Info her habe, finde ich grad nicht mehr. Die Pâtisserien Sadharu Aoki und Henri Charpentier lagen zwar nicht auf unserer Besichtigungstour, aber eine, an die ich sofort mein Herz verloren habe: Qu’il fait bon. Leider war Fotografieren nicht erlaubt. Auf der Internetseite könnt ihr euch anschauen, wie schön diese Konditorei ist und wie verlockend die Kuchenkunstwerke aussehen. Auch die weiß gekleideten Verkäuferinnen mit ihren bunten Kopftüchern haben es mir angetan.

In Tokyo liefen wir auch an dieser schönen Bäckerei vorbei, die am Sonntagnachmittag gerammelt voll war: Heart Bread Antique.

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Unmengen an Kuchen gab es in den Auslagen, die mich vom Teig her an Brioche erinnerten, jedoch in Kranzform, gefüllt z. B. mit Schokolade wie der “Angel Chocolat Ring”, der Verkaufsschlager.

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Bei einem Abendessen wurden uns zum Matcha-Tee Plätzchen gereicht: Kinako-Kekse, aus geröstetem Sojabohnenmehl, mit einer leichten Ingwernote.

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Und dann waren da noch die Straßenstände, wo z. B. Taiyaki gebacken werden, Kuchen in Form eines Fisches, die traditionell mit einer Paste aus roten Azuki-Bohnen gefüllt werden. Beliebt sind heutzutage auch Füllungen mit Custard, Schokolade, Käse oder – wie hier auf dem Plakat angepriesen – Süßkartoffeln.

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Dafür gibt es spezielle Waffeleisen mit langen Stielen (erinnert euch an unsere Zimtwaffeleisen von früher). Zuerst wird eine Schicht Teig aus Reismehl eingefüllt, darauf kommt ein Klecks der Azukibohnenpaste, darauf wieder eine Schicht Teig. In der offenen Flamme werden die Taiyakis durch Drehen der Waffeleisen gebacken. Der Bäcker hier kam kaum nach, obwohl er super schnell war. Anleitungen zum Herstellen von Taiyakis findet ihr etliche bei Youtube.

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Oder diese interessante Maschine; die kleine Kuchen mit einer Füllung fertigt und mit einem Stempel versieht.

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Ja und dann die vielen, vielen Süßigkeiten – Wagashi – die zur Teezeremonie gereicht, zu besonderen Anlässen gegessen oder als Präsent mitgebracht werden: Mochi, Dango, Daifuku, Nerikeri…

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In der Akihabara Electric Town von Tokyo, dem Ort für Elektronikgeräte überhaupt und dem Mekka der japanischen Spiele-, Manga- und Anime-Kultur, stießen wir auf einen kleinen Buchladen mit Café namens Schatzkiste, in dem – Cosplay-like – schwarz gekleidete Mädchen mit weißen Schürzen und Häubchen den Gästen Kaffee und Kuchen servierten.

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Die Takeshita-Street in Tokyo, in der sich auf 350 m Länge dicht an dicht Läden mit exzentrischer Mode und Accessoires für junge Leute reihen, ist zudem berühmt für ihre gigantischen Crêpes. Die Wunschfüllung kann man sich aus unglaublich vielen Varianten auswählen. Um die Crêpes einigermaßen gesittet essen zu können, werden sie wie eine große Eistüte gerollt.

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Da wären noch die gefüllten Brote und Brötchen aufzuzählen, wie das klassische Anpan, ein Brötchen mit süßer Azuki-Bohnenpaste, Curry Pan, frittiertes Brot mit einer Currycrème oder Melon Pan, ein süßes Brötchen mit einer Mürbeteigschicht auf der Oberseite, deren Muster an eine Melone erinnern soll. Oder Kasutera, ein Biskuit- oder Rührkuchen in Kastenform, und japanischer Käsekuchen in den Varianten: gebacken, roh und als Soufflé-Kuchen. Aber darüber werde ich euch wohl erst berichten, wenn ich Zeit gefunden habe, etwas davon nachzubacken.

Viel Spaß beim Eintauchen in die Backwelt Japans 🙂

Backschwester Anette